Tagung in Tutzing: Innovation ist immer ein Thema

Ist Innovationsjournalismus in Deutschland nötig? Tagung in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing

Wie gehen Medien mit dem Thema Innovation um? Welchen Einfluss haben Unternehmen und Forschungseinrichtungen? Und was genau soll Innovationsjournalismus sein?

Diese Fragen diskutierten rund 50 Journalisten, PR-Fachleute und Kommunikationswissenschaftler Anfang Februar in Tutzing bei München auf der Tagung „Neu, gut, besser? Innovation als Thema in den Medien“.

Veranstalter war die Akademie für Politische Bildung Tutzing in Kooperation mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, dem „Forum Technikjournalismus“ und innokomm, Forschungszentrum Wissenschafts- und Innovationskommunikation.

Ständig von Innovation zu sprechen ist wenig innovativ. Oder etwa doch? Schon die Einstiegsdiskussion zeigte, dass die Begriffe „Innovation“ und „Innovationsjournalismus“ ganz unterschiedliche Assoziationen bei den Teilnehmern auslösen. Dazu stellte Katharina Seuser, Professorin für Journalistik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, schon am Anfang der Tagung klar: „Innovationsjournalismus ist eine Pflichtübung.“

Innovationen sind in der Regel umfangreiche Neuerungen auf einem bestimmten Gebiet, wobei im Begriffsverständnis das Hauptaugenmerk auf technischen Neuerungen zu liegen scheint. Der emeritierte Journalistik-Professor Siegfried Quandt dazu: „Wir denken bei Innovation zu viel an Technik, wir sollten auch an einen möglichen Wertewandel denken.“ Journalisten sind per se verpflichtet über relevante Neuerungen zu berichten. Den Medien kommt die Aufgabe zu, die gesellschaftliche Bedeutung der Innovation herauszuarbeiten. Darüber herrschte unter den Teilnehmern weitestgehend Konsens, mit dem Begriff Innovationsjournalismus hingegen konnten sich viele nicht anfreunden.

Innovationsjournalismus soll weiter gehen, als nur über ein neues Gerät von Apple und Co. zu berichten. Der gesamte Prozess der Innovation soll transparent gemacht werden. „Journalismus wird dabei zum Teil des Prozesses, wenn er die Innovation für alle beteiligten Gruppen kommuniziert, moderiert und kommentiert“, formulierte Seusers Kollege Andreas Schümchen eine These zum Innovationsjournalismus. Das zugrunde liegende Konzept des „Innovation Journalism“ wurde vom schwedischen Wissenschaftler David Nordfors an der Standford-Universität entwickelt. Wichtigster Aspekt ist dabei die ressortübergreifende Betrachtung der Innovation. Die Übertragbarkeit seines Konzepts auf die deutsche Medienlandschaft stand ebenfalls im Fokus der Diskussionen. Jennifer Schwanenberg von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg konstatierte, dass eine 1:1-Übertragung nicht möglich sei.

Neben der akademischen Einordnung gab es auch viele Stimmen aus der Praxis. Georg Weishaupt („Handelsblatt“) und Helmut Martin-Jung („Süddeutsche Zeitung“) berichteten von den Ansätzen ihrer Blätter zur Innovationsberichterstattung. Dabei solle nichts gehypt werden. Weishaupt: „Neue Produkte, über die wir berichten, müssen wettbewerbsrelevant sein.“ Ähnlich sieht das Manfred Pietschmann, Chefredakteur der „Technology Review“: „Wir wählen Themen nicht nach festen Innovationskriterien aus, sondern nach ihrer Spannung.“

Auf der anderen Seite stehen PR- und Kommunikationsagenturen. Aus Sicht einer Agentur soll Innovationskommunikation mehr sein, als nur Pressemitteilungen zu verschicken, glaubt Boris Mackrodt, Mitglied im Vorstand der Fink & Fuchs Public Relations AG, die sich auf Technologiethemen spezialisiert hat.

Über weitere Herausforderungen für die Innovationskommunikation berichtete Alexander Gerber in seinem Vortrag „Lösungen und Perspektiven für den Medienwandel“. Information müsse im Zeitalter von Social Media nicht mehr automatisch Akzeptanz bedeuten: „Greenpeace hat gemerkt, dass es einfacher ist, eine Facebook-Seite lahmzulegen als Schornsteine hochzuklettern.“ Viel wichtiger für die Akzeptanz sei die Transparenz der Prozesse.

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TEXT und FOTOS Timo Stoppacher

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