Christian Springub: „Es fühlt sich bei Jimdo an wie in einer großen Wohngemeinschaft“

Das Jimdo-Team in der Hamburger Zentrale. Christian Springub ist der erste Mann von rechts, links von ihm stehen Fridtjof Detzner und Matthias Henze (v.r.).

Das Jimdo-Team in der Hamburger Zentrale: Christian Springub ist der erste Mann von rechts, links von ihm Fridtjof Detzner und Matthias Henze

Christian Springub hat schon mit 16 Jahren angefangen, Webseiten zu bauen. Zusammen mit Fridtjof Detzner und Matthias Henze gründete er 2007 Jimdo – zwar nicht in einer Garage, aber auf dem Hof von Detzners Eltern. Der Freemium-Dienst hat ein kleines Office in San Francisco und sponsert dort für drei Monate einen Arbeitsplatz für den Gewinner des Nachwuchspreises des Deutschen Preises für Innovationsjournalismus. Springub über die Gründe, warum auch ein deutsches Erfolgsunternehmen ein Büro im Silicon Valley braucht.

Jimdo hat seine Idee in Deutschland entwickelt, also ist digitale Innovation aus Deutschland ja wohl möglich. Oder doch nicht?

Christian Springub_ Aus meiner Sicht ist Deutschland sehr innovativ. Im Internet passiert zwar in den USA mehr, aber das hat nichts mit Deutschland generell zu tun. Die einzige Schwierigkeit in Deutschland sehe ich darin, dass das Bildungssystem und die Gesellschaft Experimentieren und Gründen nicht genug lehren und fördern. Die Angst vor Fehlschlägen ist zu groß und der „klassische“ Weg wird besser gefördert. Das muss besser werden.

Warum hat Jimdo ein Office in San Francisco?

Springub_ Der wichtigste Grund ist, dass der US-Markt für uns das größte Wachstumspotenzial besitzt, auch wenn wir grundsätzlich sehr international aufgestellt sind. Der zweite Grund ist, dass die Innovationen und die „Großen” unserer Branche im Silicon Valley und in San Francisco sind. Wir sehen unsere Firma als innovativen Mitgestalter, der in unserem Bereich Standards setzt. Da müssen wir vor Ort dabei sein und Präsenz zeigen.

Warum kommen denn all die vielen Web-Innovationen aus der Bay Area?

Springub_ Das hat verschiedene Gründe. Der wichtigste ist aus meiner Sicht das „Ökosystem“, das sich im Laufe der Zeit gebildet hat. Es gibt sehr viele Erfolgsgeschichten, und die Gründer geben der Community später viel zurück. Es ist dort einfach viel leichter, an alles zu kommen, was man braucht. Von Kontakten über Referenzkunden bis hin zu Geld.

Wie schafft ihr es bei Jimdo, immer innovativ zu bleiben?

Springub_ Wir fokussieren uns sehr stark auf das Produkt und schauen dabei nicht auf die Konkurrenz, sondern darauf, was wir für den nächsten großen Schritt in unserem Markt halten. Und das versuchen wir dann so perfekt zu machen, dass wir damit neue Maßstäbe setzen. Die letzte Innovation war unsere App für iOS, womit wir der erste in unserem Markt waren.

Die t3n-Redakteurin Yvonne Ortmann war vergangenes Jahr bei Euch zu Gast. In wie fern war sie bei Jimdo eingebunden?

Springub_ Yvonne hatte natürlich ihren eigenen Job als Redakteurin und war insofern nicht ins Jimdo-Tagesgeschäft eingebunden. Aber der persönliche Zusammenhalt zwischen den Jimdos und Yvonne war sehr stark, vom gemeinsamen Mittagessen über einfach mal zwischendurch quatschen und Kaffee trinken. Ich hoffe natürlich, dass das Yvonne den Alltag in einem neuen Land und die Vorfreude, jeden Tag ins Büro zu kommen, leicht gemacht hat.

Der Stipendiat wird einen Schreibtisch in Eurem Office-Loft haben. Was erwartet ihn dort?

Springub_ Ein hoffentlich guter, schneller Start und ein einzigartiges San-Francisco-Erlebnis. Unser Büro ist im Mission District, einem angesagten Wohn- und Ausgehviertel. Die Sonne scheint dort fast immer und man kommt gut überall hin. Und letztlich: Es fühlt sich bei Jimdo eher an wie in einer großen Wohngemeinschaft, in der tagsüber gearbeitet wird. Das macht das Ankommen und tägliche Arbeiten zu etwas Besonderem.

Christian Springub, Jahrgang 1982, ist Gründer des Website-Baukasten-Anbieters Jimdo. Er hat schon mit zwölf Jahren Überraschungs-Ei-Figuren verkauft. Heute pendelt er zwischen San Francisco und Hamburg hin und her, um die weltweite Expansion von Jimdo voran zu treiben. 2012 lehnten die Jimdo-Gründer eine achtstellige Finanzierungsrunde ab, weil sie nicht das schnelle Exit, sondern ein Unternehmen mit Kultur schaffen wollen.

Anmerkung der Redaktion
Entgegen unserer üblichen Praxis haben wir das Interview mit Christian Springub per E-Mail geführt.

INTERVIEW Jennifer Schwanenberg | FOTO Jimdo

Dieser Beitrag (Text) ist unter der Lizenz Creative Commons BY-NC-ND 3.0 verfügbar. Einzelheiten auch unter Nutzungsbedingungen.

 

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